Derselbe Champagner erzählt in zwei verschiedenen Gläsern nicht dieselbe Geschichte. Die Flöte lässt eine elegante Perlenkette aufsteigen, schließt jedoch die Aromen ein; die Coupe setzt diese frei, verliert jedoch innerhalb weniger Minuten ihre Spritzigkeit; das Weinglas bringt die Brioche-Noten, die Frucht- und Blütendüfte zum Vorschein, die man zuvor noch nie wahrgenommen hatte. Dieser Leitfaden erklärt, was sich durch die jeweilige Form verändert, welches Glas je nach Champagner zu wählen ist und wie man ihn serviert.
Was das Glas wirklich verändert
Drei Dinge. Die Bläschen: Sie entstehen an der am Kelchboden eingravierten „Point de Mousse“ und steigen umso gleichmäßiger auf, je schmaler und höher das Glas ist. Die Aromen: Sie benötigen eine Kontaktfläche mit der Luft und Raum, um sich zu konzentrieren – einen breiten Kelch, der sich nach oben hin verengt. Die Temperatur: Ein dünnwandiges Glas, das am Stiel gehalten wird, hält den Champagner kühl; ein dickwandiges Glas, das mit der ganzen Hand umschlossen wird, erwärmt ihn innerhalb weniger Minuten. Das ideale Glas bildet einen Kompromiss zwischen diesen drei Faktoren.
Die Flöte: Die Perlen stehen im Vordergrund
Hoch, schmal und elegant – die Flöte bringt die Perlage zur Geltung und hält den Champagner kühl. Ihr Nachteil: Sie schränkt das Bouquet ein, und ein großer Champagner bleibt darin stumm. Sie eignet sich für junge, lebhafte Brut-Champagner, als Aperitif sowie für zahlreiche Toasts, bei denen schnell nachgefüllt wird und man ebenso viel schaut wie trinkt.
Die Coupe: Charme und seine Grenzen
Breit und niedrig – die Coupe war das Festglas des 19. Jahrhunderts und der „Wilden Jahre“ – die Legende von Marie-Antoinette ist eine Legende. Sie entfaltet die Aromen, setzt jedoch eine große Oberfläche der Luft aus: Die Bläschen entweichen innerhalb weniger Minuten, und der Wein erwärmt sich. Heute wird es für Champagner-Cocktails und Pyramiden aus Coupes verwendet – siehe unsere Cocktailrezepte. Unsere Seite „Coupe oder Flöte “ klärt den Streit ausführlich.
Die Tulpe: der Kompromiss der Weinhändler
Ein bauchiges Kelchglas, das sich zum schmaleren Rand hin verjüngt: Die Tulpe bewahrt die Bläschen wie eine Flöte und konzentriert die Aromen wie ein Weinglas. Es ist das vielseitige Glas schlechthin, geeignet für einen Brut eines großen Hauses, einen Blanc de Blancs oder einen Rosé, sowohl zum Essen als auch als Aperitif.
Das Weißweinglas: die Wahl der Sommeliers
Champagner ist in erster Linie ein Wein, und Sommeliers servieren ihn zunehmend in einem Weißweinglas: ein breiter Kelch, ein leicht verengter Rand, eine dünne Wand. Der Verlust an Perlage ist minimal; der aromatische Gewinn ist enorm, insbesondere bei Cuvées, die in Holzfässern ausgebaut wurden oder reich an Reserveweinen sind – wie beispielsweise ein Bollinger Special Cuvée oder ein Krug Grande Cuvée. Wenn Sie nur ein Glas behalten dürfen, dann sollte es dieses sein.
Das Burgunderglas: für große Jahrgänge
Das noch breitere Burgunderglas eignet sich für lagerfähige Champagner und Prestige-Cuvées: Ein Dom Pérignon Plénitude P2, ein Bollinger R.D. oder ein alter Krug Vintage, serviert bei etwa 12 °C, entfalten darin Noten von Honig, Trockenfrüchten und Gewürzen. Für einen jungen Brut ist es zu groß: Der Wein verliert darin an Charakter.
Welches Glas für welchen Champagner?
| Champagner | Empfohlenes Glas | Temperatur |
| Junger, nicht Jahrgangs-Brut, Aperitif, Toasts | Flöte oder Tulpenglas | 8 bis 10 °C |
| Blanc de Blancs, Rosé | Tulpenglas oder Weißweinglas | 8 bis 10 °C |
| Brut aus namhaften Häusern, im Holzfass ausgebaut, Reserveweine | Weißweinglas | 10 bis 12 °C |
| Jahrgangs-Champagner, Prestige-Cuvée | Weißweinglas oder Burgunderglas | 10 bis 12 °C |
| Alter Jahrgang, späte Degorgierung | Burgunderglas | 12 °C |
| Champagner-Cocktail | Coupe | sehr kühl |
Zur Auswahl der Flasche: unsere Blancs de Blancs, unsere Jahrgangs-Champagner und unser gesamtes Champagner-Sortiment.
Richtig servieren, unabhängig vom Glas
- Ein sauberes Glas ohne Spuren von Spülmittel: Schon der geringste Fettfilm zerstört den Schaum. Spülen Sie das Glas mit klarem Wasser aus und trocknen Sie es mit einem fusselfreien Tuch ab.
- Füllen Sie das Glaszu einem Drittel, in zwei Schritten, wobei Sie es leicht neigen, damit sich der Schaum setzen und die Aromen konzentrieren können.
- Halten Sie das Glas am Stiel oderam Fuß des Stiels – niemals am Kelch. Unser Artikel über die Kunst, ein Champagnerglas zu halten, beschreibt die richtige Handhabung im Detail.
- Die richtige Temperatur: 8 bis 10 °C für einen Brut, 10 bis 12 °C für einen Jahrgangs-Champagner – unsere Tipps zur Lagerung und zum Servieren sowie die Methode zum schnellen Kühlen einer Flasche.
- Der „Point de Mousse “: Eine Gravur am Glasboden sorgt dafür, dass die Bläschen in einer Kette aufsteigen; ein neues Glas ohne „Point de Mousse“ kann dazu führen, dass der Champagner flach wirkt.
Fehler, die einen guten Champagner ruinieren
Das im Gefrierschrank gekühlte Glas: Es beschlägt, trübt die Farbe und zerstört den Schaum beim ersten Kontakt – ein Glas bei Raumtemperatur reicht aus, denn der Wein selbst muss kalt sein. Das bis zum Rand gefüllte Glas: Es bleibt kein Platz für die Aromen, und der Wein erwärmt sich, bevor er getrunken wird. Das Plastikglas von Empfängen: Die Bläschen haften darin schlecht und das Bouquet geht verloren; bei gleichem Budget ist ein preiswertes Weißweinglas aus Glas besser geeignet als eine Plastikflöte. Schließlich das Glas, das durch ein Geschirrtuch oder einen Schrank einen Geruch angenommen hat: Spülen Sie es vor dem Servieren stets mit klarem Wasser aus und riechen Sie am leeren Glas – wenn Sie etwas riechen, wird der Champagner es ebenfalls riechen.
Kristall oder gewöhnliches Glas?
Kristall verbessert den Wein nicht, doch die Feinheit seiner Wand und seines Randes verändert das Mundgefühl und die Präzision beim Einschenken; ein mundgeblasenes, feines und leichtes Glas ist ein wahrer Genuss. Was die großen Kristallglasmarken betrifft, so finden Sie in unserem Artikel über das perfekte Champagnerglas eine Auswahl. Und was anschließend im Glas geschieht, erfahren Sie in unserem Beitrag zur Champagnerverkostung – ohne dabei die Kalorien eines Glases zu vergessen, da diese Frage zu Weihnachten immer wieder aufkommt.